Evangelische Medientage in Erfurt 2007

Die Reformation der Verlagsbranche

Die dritten Evangelischen Medientage am 25. und 26. April in Erfurt

Auflagenschwund, veränderte Mediennutung zugunsten Internet und zurückgehendes Leseverhalten verändern die printpublizistische Landschaft nachhaltig.

Internet und elektronische Medien stellen nach Ansicht des Leipziger Medienwissenschaftlers Michael Haller die herkömmliche Arbeitsweise von Zeitungen und Zeitschriften zunehmend in Frage. Wenn von den Verlagshäusern aus den dynamischen Medientrends nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen würden, gehe in den nächsten fünf bis zehn Jahren „eine ganze Reihe“ von Printmedien unter. Als wichtigste Anforderungen an den künftigen Journalismus nannte Haller eine übergreifende Kompetenz der Journalisten und Redakteure in allen Mediengattungen sowie ein neues Selbstverständnis ihrer Arbeit. Als „Kommunikatoren“ müssten sie einen „radikalen Perspektivenwechsel“ vollziehen, der stärker die Sicht des Lesers einbeziehe.

Noch immer würden 90 Prozent des journalistischen Nachwuchses lediglich in einer der Gattungen Printmedien, Fernsehen oder Hörfunk ausgebildet. Damit entsprächen die vorherrschenden Volontariatskonzepte „den Anforderungen der späten 70er Jahre“, fügte Haller hinzu.

Die evangelische Publizistik muss nach Auffassung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) effizienter gestaltet werden. Die Kräfte der evangelischen Medienunternehmen müssten stärker gebündelt werden, sagte Udo Hahn, der für Publizistik zuständige Dezernent im EKD-Kirchenamt. „Die Zersplitterung der evangelischen Printpublizistik in eine Vielzahl kleiner Einheiten muss überwunden werden.“

Hahn kritisierte, dass ein Zielgruppenkonzept fehle. Ein großer Teil von evangelischen Medien spiegele die kirchliche Innenperspektive. Kaum vorhanden seien Publikationen, die sich an breite Leserschichten richteten, sagte Hahn in Bezug auf eine neue Studie, in der unter dem Titel „Mandat im Markt“ 160 Printpublikationen untersucht wurden. Es gebe Binnenkonkurrenz ebenso wie weiße Flecken. Der Vorsitzende des Evangelischen Medienverbands in Deutschland, Bernd Friedrich, sagte, es werde kaum irgendwo so viel publiziert wie im evangelischen Bereich: „Ob es die Menschen erreicht, ist die Frage.“

Die medienpolitischen Zuständigkeiten zwischen der EKD für bundesweite Publizistik und den Landeskirchen für Medien in ihren Bereichen sollen Hahn zufolge weiterhin getrennt bleiben. Nötig sei aber eine bessere Zusammenarbeit und Medien übergreifendes Denken, um die Gesamtbreite evangelischer Medienarbeit zu vernetzen.

Dass die Zukunft in den evangelischen Presse- und Medienhäusern schon begonnen hat, zeigen erste unternehmerische Initiativen in den Verlagen. In der Planung sind der Aufbau von Datenbanken (Text, Audio und Video), Desks für „Halbfertigprodukte“, die in der Publizistik  und Öffentlichkeitsarbeit medien- und zielgruppenspezifisch eingesetzt werden, Services für Gruppen und Gemeinden, Plattformen für den Austausch mit Kunden und Lesern, Kooperationen zwischen Print und Funk sowie Bloggs und podcasting.

Ministerpräsident Dieter Althaus bescheinigte den evangelischen Medien einen wertvollen und Orientierung gebenden Beitrag in und für die Gesellschaft. Christen hätten wesentlichen Anteil an der Wende 1989. Aus kirchlichem Geist heraus hätten Menschen den Mut gefasst, für Freiheit einzustehen. Um Zukunftsaufgaben zu meistern, sei eine starke geistige Verwurzelung und Besinnung auf die christlich-jüdische Tradition nötig.

EKD-Publizistik-Referent Udo Hahn zur Lage der evangelischen Medien

aus epd medien Nr. 33 vom 28. Mai 2007



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